horizonte 47: Tiere

Cover 47In der Chauvet-Höhle nahe der französischen Kleinstadt Vallont-Pont-d’Arc befinden sich Höhlenmalereien, die zu den ältesten der Welt zählen. Unsere Urahnen hinterließen uns dort nicht etwa Darstellungen ihrer selbst, sondern malten fast ausschließlich Tiere an die Wände der Höhlen: Wollnashörner, Höhlenlöwen, Mammuts, Hirsche, Panther und viele andere mehr. Bemerkenswert ist, dass dort alle Tiere friedlich beieinander stehen und keineswegs aggressiv wirken –  und dass, obwohl sie den Menschen der Steinzeit mit Sicherheit gefährlich werden konnten. Man hat den Eindruck, als würde in diesen Bildern das ersehnte »messianische Reich« der Bibel lebendig werden: »Dann wohnt der Wolf beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Knabe kann sie hüten.« (Jesaja 11,6).

Die Realität der Steinzeit war natürlich eine andere: Als sich unsere Vorfahren nach der letzten Eiszeit ausbreiteten, starben mehr als 70 Prozent aller großen Säugetierarten aus. Aller Wahrscheinlichkeit nach war schon damals der Mensch die Ursache für dieses große Artensterben.

Aber diese Ambivalenz zwischen der Sehnsucht nach einem harmonischen Leben mit den Tieren und ihrer Nutzung als Ressource hält bis heute an: Die unbedingte Liebe zu unseren Haustieren auf der einen Seite und die kalte industrielle Tierzucht und Fleischproduktion auf der anderen Seite sind die sich immer extremer unterscheidenden Seiten derselben Medaille. Hinzu kommt eine zunehmende Verunsicherung, da wir seit der Evolutionslehre und der Genforschung ahnen, dass uns weniger von den Tieren unterscheidet, als wir einst dachten.

Insofern ist jedes Nachdenken über Tiere immer auch ein Nachdenken über uns selbst.

Lesen Sie in der horizonte 47:

Rüsselmassage von Robert Patejdl
In ihrer Diplomarbeit untersuchte Stephanie Müller eine neuartige Beschäftigungsmöglichkeit für Schweine in der Massentierhaltung …

»Man kann dem Fuchs nicht verbieten, Fleisch zu essen« Ein Gespräch mit Thomas Krüger
Die konventionelle Tierhaltung gerät unter Druck, immer mehr Menschen leben vegetarisch oder essen nur noch Bio-Fleisch. Was sagt ein Landwirtschaftspolitiker aus MV dazu?

Schwein gehabt von Stephan Bliemel
Vom Leben und Sterben einer Muttersau in Deutschland …

Tierrechte von Frans de Waal
Immer ernsthafter wird diskutiert, ob Tiere subjektive Rechte im Rahmen der staatlichen Rechtsordnung erhalten sollen. Ist dies der richtige Weg für das Zusammenleben von Mensch und Tier?

»Eine Welt ohne Bienen möchte ich mir nicht vorstellen …« Ein Gespräch mit Winfried Dyrba
Bienen haben herausragende Bedeutung bei der Bestäubung von Blütenpflanzen. Doch die Zahl der Bienenvölker geht zurück.

De Fischer un siene Fisch von Susanne Bliemel
Dat Märchen dorvun, dat de Ostseefischers, de dat MSC-Siegel nich kriegen, Ümweltkönige, Naturkaiser orrer Ökologiepapst sünd …

Von Heringen, Krähen und Eseln  von Arne Boecker
Judith Schalanskys »Naturkunden«: So schön können Bücher sein …

»An erster Stelle steht der Bildungsauftrag.« Ein Interview mit Udo Nagel
Anders als früher bringen uns heute die modernen Medien die Wunder der Erde ganz nahe. Werden nun bald die Zoologischen Gärten aussterben?

Auf der Mauer auf der Lauer … von Silke-Maria Preßentin
Im Landesamt für Gesundheit und Soziales MV finden auch die ganz kleinen Tiere Beachtung – vor allem jene, die eine Gefahr für Gesundheit und Wohlergehen sein können …

Aber bitte mit Knödeln! von Udo Knapp

 

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