horizonte 46: Spielen

Cover46_800px»Ich will doch nur spielen« – so heißt es in einem Vers des Liedes »Das Spiel«, mit dem die Sängerin Annette Louisan im Jahr 2004 aus dem Nichts bekannt wurde. In dem süßlichen Popsong wundert sich das lyrische Ich darüber, dass sich nach einer gemeinsamen Nacht ihr Gegenüber in sie verliebt hat und eine Beziehung beginnen möchte. Das Spiel ist hier offensichtlich das Unverbindliche, das Spontane, das Ziellose, das Offene, während der Ernst der Liebe nach Verbindlichkeit, Sicherheit und Struktur zu streben scheint.

Interessant ist hier das kleine Wörtchen »nur«: Es schreibt dem Spiel ein geringeres Gewicht zu und übernimmt damit eine herrschende Konvention. Denn was sagen die Eltern zu ihren Kindern am Tag der Einschulung: »Jetzt beginnt der Ernst des Lebens!« (Und wenn sie es nicht sagen, so glauben sie es zumindest insgeheim.) Friedrich Schiller hätte an dieser Stelle Einspruch erhoben: Für ihn ist das Spiel der Ort, wo der Mensch ganz frei von den ihn bedrängenden Anforderungen sein und sich in aller Vielfalt entfalten könne, denn »der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.« Klingt gut, unsere Lebenserfahrung lässt uns jedoch eher mit Brecht sagen: »Doch die Verhältnisse, sie sind nicht so.«

Aber vielleicht brauchen wir ja Spiel und Ernst gar nicht als Gegensätze wahrzunehmen, sondern als etwas Zusammengehörendes: Im Spiel probieren wir uns aus, durchbrechen Konventionen, entwickeln uns weiter – und sind so besser gewappnet für die Ernstfälle des Lebens.

Lesen Sie in der horizonte 46:

Der Mensch als spielendes Wesen von Christian Klager
Seit tausenden von Jahren spielen die Menschen. Offenbar gehört es zum Wesen unserer Gattung. Aber warum? Und was bedeutet dies für uns?

Pokern in Pommern von Stefan Bruhn
Von ursprünglich sechs Spielbanken in Mecklenburg-Vorpommern existieren inzwischen nur noch drei. Unser Redakteur besucht eine davon: die Ostseespielbank Stralsund.

»Geld schießt doch Tore!« Ein Interview mit Sigrid Keler
Sigrid Keler wurde 2010 Finanzvorstand beim F.C. Hansa Rostock. Im Jahr 2012 trat sie zurück. Gegenüber »horizonte« zieht sie erstmals eine Bilanz.

Kinder spielen sich ins Leben von Armin Krenz
Über die faszinierende Wirkung des freien Spiels

Pissküülken & Co. von Stephan Bliemel
Vielleicht kaum etwas hat sich in den letzten 100 Jahren so verändert, wie die Spiele unserer Kinder. Zum Glück haben Volkskundler Erinnerungen daran bewahrt.

Spieltrieb von Silke-Maria Preßentin
Angehende Gamedesigner kommen aus ganz Europa nach Schwerin, um an einer privaten Designschule  ihr Handwerk zu lernen. Ein Beruf mit Zukunft.

Buchhalter des kleinen Glücks von Arne Boecker
Das Ostsee-Meeting in Bad Doberan lockt jedes Jahr im August Zocker an die Küste. Einer von ihnen ist unser Autor.

Von Spielen und Ziegen von Erik Gurgsdies
Die sogenannte »Spieltheorie« hat als Analysemethode in den Wirtschaftswissenschaften großen Einfluss gewonnen. Doch was ist das überhaupt? Und was hat sie mit »Spielen« zu tun?

Allens Arbeit ünner de Sünn vun Susanne Bliemel
Dat »spil« is dat olthochdüütsche Wuurt för danzen, hett also wat mit Musik tau daun. Wörüm bi Wikipedia ünner »Spiel« dat Spälen vun ein Instrument gornich dorbi is …

»Die nächste Partie gewinnst Du sicher …« Ein Kommentar von Udo Knapp
Wieviel Spiel steckt eigentlich im Leben? Und wieviel Leben im Spiel?

Homo ludens – Fotografien aus aller Welt  von Sebastian Maiwind
Der Mensch und das Spiel – eine globale Form der Sinn-Findung … 

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