horizonte 42: Polen

Heft 42: Polen

Wir Deutsche haben neun Nachbarn. Und von diesen sind uns die Franzosen am liebsten – so bestätigen es zumindest regelmäßig verschiedene Bevölkerungsumfragen. Unsere polnischen Nachbarn im Osten hingegen werden von uns noch immer mit zurückhaltender Skepsis betrachtet. Allerdings gibt es seit der Wende langsam, aber spürbar, wachsende Sympathien für die Polen. Vor allem die Klischees verändern sich: Dominierten in der Vergangenheit Vorstellungen von »Rückständigkeit«, »Armut« und »Kriminalität« die Meinung des Stammtisches, kommt immer häufiger die Anerkennung eines besonderen »Fleißes« hinzu. Ausdruck fand dies kürzlich in einer vielbeachteten Aussage des Bundespräsidenten Joachim Gauck, der in Neapel (!) befunden haben soll, dass die Polen fleißiger als die Deutschen seien.

Ob nun die Fleißigsten immer auch die Sympathischsten sind, sei einmal dahingestellt. In jedem Fall tut sich etwas in unserem Nachbarland. Selbst während des schweren Krisenjahres 2009, in dem die deutsche Wirtschaft um 5,1 % geschrumpft war, gab es in Polen noch ein anständiges Wachstum. Seitdem spricht man gerne vom »Weichsel-Tiger«, der auf dem Sprung nach vorne sei. Und wer unser Nachbarland mit offenem Blick besucht, wird auch jenseits der Ökonomie etwas von dieser Dynamik spüren. Man trifft dort auf eine von Jugendlichkeit und Aufbruch geprägte Gesellschaft, die ihren Platz in der Welt sucht und von den neuen Freiheiten nicht genug bekommen kann.

Wir Ostdeutschen gehörten ja einmal irgendwie dazu – zu diesem jungen Osteuropa. Dann kam die Wende. Der Anschluss an die gefestigte und gesättigte Bundesrepublik hat uns zwar Wohlstand und Sicherheit gebracht. Gekostet hat es uns aber den Stolz der Selbstverantwortung und den Mut zur Freiheit. Insofern lohnt sich ein Blick über den östlichen Gartenzaun besonders.Lesen Sie in der horizonte 42:

Stettin, gelassene Stadt von Stephan Bliemel
Nach Jahrzehnten der Tabuisierung entdeckt eine neue Generation selbstbewusster Stettiner die Wurzeln der eigenen Stadt.

Eine schwierige Freundschaft von Brigitte Jäger-Dabek
Die DDR und Polen waren zwar offiziell »Brudervölker«, aber hinter der Fassade war das Verhältnis beider Länder voller Zündstoff.

Probleme mit Polen von Niels Gatzke
Noch immer gibt es eine Reihe von Vorurteilen und Ressentiments, die die deutsch-polnische Nachbarschaft im Grenzgebiet belasten.

Nur Ehrlichkeit hilft von Andrzej Kopula
Für die einen sind es Stereotype, für die anderen ist es die Wirklichkeit: Im Umgang mit polnischer Kriminalität im deutschen Grenzraum sollten beide Seiten ehrlicher werden.

„Wir machen die Basisarbeit“ Interview mit Virginia Paul-Walther und J.Mariusz Lokaj
In Vorpommern nehmen die Kommunalverwaltungen die deutsch-polnische Zusammenarbeit immer ernster.

Zurück in die Zukunft von Stephan Bliemel
Gute Nachbarschaft ist das eine – strategische Partnerschaft das andere. Die deutsch-polnische Zusammenarbeit braucht eine neue Perspektive. Ein Kommentar

Lechts und Rinks von Olaf Sundermeyer
Warum polnische und deutsche Nationalisten keine Freunde sein können.

Über den Mut, unser Dasein zu schmecken von Udo Knapp
Vor einem Jahr ist die polnische Lyrikerin und Literaturnobelpreisträgerin Wisława Szymborska gestorben. In ihren Gedichten wird sie lange lebendig bleiben.

Viva Polonia von Robert Patejdl
Im Jahr 1994 zog Steffen Möller nach Polen um. Heute ist er, gleich nach dem Papst, der bekannteste Deutsche jenseits der Oder.

Einmal VERNÜNFTIG räden … von Susanne Bliemel
»Twei Hunnen, de an sülwen Knaken gnagen, koenen sick ofteins nich verdragen«, seggen de Lüüd. Woans ein polnischer Optikermeister in M-V sienen Weg makt …

 Eine Ära geht zu Ende … Fotografien von Sebastian Koth
Früher wurden die »Polenmärkte« hinter der Grenze von deutschen Schnäppchenjägern überflutet. Heute erlebt man dort nur noch einen traurigen Abgesang.

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