horizonte 40: Meer

Als vor mehreren hunderttausend Jahren die ersten Frühmenschen Nordeuropa besiedelten, war die Landmasse Europas noch ungeteilt. Erst einen Wimpernschlag von rund 12.000 Jahren ist es her, dass sich ein riesiger Süßwassersee im Norden bildete, der schließlich vor weniger als 6.000 Jahren die Gestalt der uns bekannten Ostsee annahm, als Salzwasser von der Nordsee die Landbrücke zwischen Dänemark und Schweden überflutete. Wer kann sich angesichts dieser Dynamik vorstellen, wie dieser uns so vertraute Landstrich in weiteren 12.000 Jahren aussehen mag?

Derweil haben wir es uns um dieses Brackwassermeer herum gemütlich gemacht. Es ist zum Dorfteich der umliegenden Völker geworden. In der Gesamtschau ist das Verbindende in der Geschichte des Ostseeraums stärker als das Trennende gewesen. Unsere Landschaften, unsere Städte, unsere Trink- und Essgewohnheiten, unsere Mentalitäten ähneln sich, selbst unsere Sprachen haben viel miteinander gemein. Erst Hitler und Stalin waren es, die das polyglotte, bunte Nordosteuropa seziert haben. Inzwischen wächst wieder zusammen, was zusammengehört. Die Europäische Union hat den Ostseeraum zur Pilotregion für einen neuen gemeinsamen Bundesstaat gemacht.

Da ist es egal, ob man wie wir von der Ostsee, wie die Esten von der Westsee oder wie die Russen vom baltischen Meer sprechen – es bleibt das Meer in unserer Mitte.

Lesen Sie in der horizonte 40:

Das Meer vor unserer Haustür von Erik Gurgsdies
Beste Badewasserqualität und »Todeszonen« am Meeresgrund … Die Meldungen über den Zustand der Ostsee verwirren. Was sagen die Meeresforscher dazu?

Auf dem Weg zu den Vereinigten Staaten des Ostseeraumes? von Udo Knapp
Während anderswo über das Auseinanderbrechen der EU spekuliert wird, arbeitet man an der Ostsee an einem einmaligen historischen Projekt: Ein neuer Bundestaat soll entstehen.

Flaska, synap un vindskeiv
von Mathias Hofmann
Dor wier mal ’ne Tied, as Plattdüütsch ’ne Weltsprak west is. De Spuren kann ein hüüt in väle Spraken rund üm de Ostsee finnen. Oewer woans keem dat dortau?

Kein Meer mehr von Stephan Bliemel
Die Ausstellung »Connected by Art« des Staatlichen Museums Schwerin zeigt zeitgenössische Kunst aus den Ostseeländern. Was sie verbindet, ist das Ende aller Utopien.

Die Hoffnung stirbt zuletzt – Interview mit Prof. Dr. Bronsart
Am Schiffbau in M-V scheiden sich die Geister: Für die Einen ist er ein Auslaufmodell, für die Anderen eine Zukunftsbranche. Wir fragen einen Schiffbauer.

Für die Stadt und die Welt von Stefan Bruhn

Das Rostocker Motorschiff »Stubnitz« ist eine Kulturbotschafterin der besonderen Art. Seit vielen Jahren kreuzt sie über die Nord- und Ostsee und verbreitet gute Laune.

Von den Grenzen des Wachstums von Stephan Bliemel
In der kleinen Gemeinde Born am Darß kämpft eine Bürgerinitiative gegen die Bebauung eines Landschaftsschutzgebietes. Ein Streit, der uns alle betrifft.

Wellen, Weite, Licht
von Susanne Bliemel

Einstmals war sie die Notbestattung für auf See Gestorbene – inzwischen hat sich die Seebestattung zu einer ernsthaften Alternative zur Beisetzung auf dem Friedhof entwickelt.

»Schämen Sie sich nicht, Sie alte Sau?« von Robert Patejdl
Anhänger der Freikörperkultur suchten einst die Harmonie mit der Natur. Heute befindet sich die Tradition des FKK auf dem Rückzug. Eine Spurensuche.

Leserpost

Gestrandet in der Großstadt
– Fotografien von Sebastian Koth

Mit viel versprechenden Namen wie »Traumstrand Berlin«, »Capital-Beach« oder »Metaxa-Bay« werben Stadtstrände in der Hauptstadt für’s Meer-Erleben.

Ein Gedanke zu “horizonte 40: Meer

  1. Von den Grenzen des Wachstums

    Vielen Dank für den Artikel. Er hat mir aus der Seele gesprochen. Arme Ostseeküste!
    Habe auf Poel mein Elternhaus und gehofft, dass der Wahnsinn an Poel vorübergeht. Doch leider legten die Gemeindevertreter Ende der 90er so richtig los. Der Hafen und das Areal darum soll nach Willen der Gemeindevertreter nun auch noch bald nach „Wolkenkuckucksheim-Plänen“ vollgeklatscht werden. Resultat: entfremdete Gebiete, nichts Vertrautes mehr da….
    Selbst etliche Urlauber meinen, dass aufgepasst werden muss, nicht noch mehr zu bauen, weil sie keinen Massentourismus wollen.
    Infrastruktur gibt nicht mehr her, die Insel mit ihren 36qm ist jetzt schon besonders durch die vielen kurzentschlossenen Tagestouristen vollkommen überfordert.
    Und dann der Spätherbst und Winter, geschlossenen Jalousien, tote Gebiete.
    Es stimmt, diese Auswirkungen scheinen Entscheidungsträger in den Ämtern nicht sehen zu wollen.

    Ein schönes Wochenende
    wünscht
    Iris Flechner

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